Das MyNav 500 Sport im ausführlichen GPS-Blogger-Test

MyNav 500 SPORTVor gut einem Jahr stellte die in Treviso, Italien, beheimatete Firma Giove ihr erstes Outdoor-Navigationsgerät MyNav 600 vor. Konnten die sehr guten Vektorkarten und die Software schon damals beeindrucken, war doch das Gerät an sich sehr groß und klobig geraten. Jetzt steht mit dem MyNav 500 Sport einen neues Modell in den Startlöchern. Der GPS-Blogger hat es genau unter die Lupe genommen.

Der erste Eindruck
Zunächst einmal sticht das knall-orange Gehäuse ins Auge. Während die Farbe Geschmackssache ist, kann man sich über das formschöne Gehäuse nicht beklagen. Das inklusive Akku 204 g schwere und 7,8 mal 11,7 cm große MyNav 500 liegt Dank seiner konkaven Form gut in der Hand. Das 3,5" große transflektive Display ist auch in der Sonne gut ablesbar. Um es wasserfest zu bekommen, wurde es bis zu 5 mm ins Gehäuse eingelassen. Dies bedingt, dass die Treffgenauigkeit bei Elementen am Rande des Touchscreens - wie beispielsweise bei der virtuellen Tastatureingabe - mit größeren Fingern etwas leidet.

Unterhalb des Displays liegen drei Knöpfe: Der mittlere Knopf schaltet das Gerät aus, mit der linken Taste kann man die Displayhelligkeit in vier Stufen von "Aus" bis ganz hell durchschalten und die rechte Taste dient dazu eigene Wegpunkte (bei MyNav "Geonotizen" genannt) abzuspeichern. An der Front liegt ein wasserfester Anschluss für den PC. Auf der Rückseite findet man den Lautsprecher sowie das einfach zu öffnende Batteriefach. Den Lithium-Ionen-Akku kann man durch einen AAA-Batterie-Adapter ersetzen, sodass man das MyNav 500 auch mit herkömmlichen Batterien bzw. Akkus betreiben kann.

Die technischen Daten
Im MyNav 500 Sport ist ein SIRF III GPS-Chip verbaut, der in unserem Praxistest sehr gute Ergebnisse erzielte (s.u.). Der Lithium-Ionen-Akku lieferte bei durchgehend eingeschaltetem Display und 50% Helligkeit der Hintergrund-Beleuchtung Strom für 12 Stunden. Da sich das Display nach festen Zeitintervallen automatisch abschalten lässt, sind in der Praxis deutlich längere Werte zu erzielen. Der berührungsempfindliche Bildschirm ist sehr hell und dadurch auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Der Bildschirm gehört damit zu den Besten am Markt. Gewöhnungsbedürftig ist das resistive Display, das auch mit Handschuhen bedient werden kann. Da es auf Druck reagiert, müssen die Menüpunkte fester gedrückt werden, als bei kapazitiven Bildschirmen.

Unterhalb des Akkus liegt eine austauschbare microSD-HC-Speicherkarte, die mit bis zu 16 GB ausreichend Platz für Landkarten und Touren bietet. Sehr praktisch ist, dass die Landkarten ähnlich wie beim Satmap Active 10 auf SD-Speicherkarten geliefert werden. Zum Wechseln der Landkarten muss daher lediglich die SD-Karte ausgetauscht werden. Im Gerät verbaut sind darüber hinaus ein barometrischer Höhenmesser sowie ein elektronischer Kompass.

Die Empfangsgenauigkeit
Das MyNav 500 bietet mit seinem Sirf III GPS-Chip sehr gute Empfangseigenschaften, die denen des Satmap Active 10 ähneln, der den gleichen Chip verbaut hat. Hier im Vergleich: MyNav 500 = rot, Satmap Active 10 = blau, iPhone3G = grün

Die Software
Das MyNav 500 Sport verfügt laut Herstellerangabe über eine Software, die neben der herkömmlichen Straßennavigation auch die übergangslose Navigation auf Wander- und Fahrradwegen erlaubt. Möglich macht dies das verwendete routingfähige Kartenmaterial, das neben dem Straßennetz von Navteq auch kategorisierte Wander- und Feldwege enthält. Bei der Berechnung einer Route stehen daher verschiedene Profile zur Verfügung, die jeweils noch Optionen wie "mit Autobahn", "mit Schotterwegen" oder "mit Liften" bieten:
- Auto schnell
- Auto kurz
- Fahrrad
- Wanderweg leicht
- Wanderweg mit Klettersteig
- Ski
- Frei
- Luftlinie
- Hybrid

MyNav 500 Symbolleiste

MyNav 500 Symbolleiste

MyNav 500 Hauptmenü

MyNav 500 Hauptmenü

MyNav 500 Suche

MyNav 500 Suche

Die automatische Routenberechnung liefert brauchbare Ergebnisse. Wer dem Gerät eine eigene Routenwahl vorgeben möchte, kann beliebige Zwischenziele erfassen und so das automatische Routing optimieren. Als Basis für Zwischenziele stehen zahlreiche Optionen zur Verfügung:
- Adresse
- Favoriten (Zwischenziele bzw. Punkte lassen sich als Favoriten speichern)
- Letzte Ziele
- POI (Das MyNav 500 verfügt über eine umfangreiche POI-Datenbank mit zahlreichen Kategorien u.a. auch Berghütten)
- Karte (Auswahl eines Punktes auf der Karte)
- Geonotiz (selbst gespeicherte Wegpunkte)
- Koordinate
- Wanderwege
- Pisten
- Lifte
- POI-Liste

MyNav 500 Einstellungen

MyNav 500 Einstellungen

MyNav 500 Kartenlayer

MyNav 500 Kartenlayer

MyNav 500 Höhenprofil

MyNav 500 Höhenprofil

Für die schnelle Zielpunkt-Navigation kann der Outdoor-Freund mittels der o.g. Kategorien ein Ziel finden, zu dem er sich sodann per Sprachausgabe leiten lassen kann. Dies ist praktisch, wenn man beispielsweise während einer Tour schnell ein anderes Ziel - die nächste Hütte oder das nächste Restaurant - erreichen möchte.

Die Routenplanung selbst kann am Gerät geschehen, wobei die Routenplanung über die mitgelieferte PC-Software MapManager präziser von statten geht, als mit dem Finger auf dem Bildschirm selbst. Im MapManager geplante Routen lassen sich per Knopfdruck auf das Gerät überspielen. Überhaupt ist die MapManager Software klever gemacht, denn sie bietet im Wesentlichen die Funktionen und Menüführung wie das Gerät auch. Wer also einmal die Funktionsweise des Geräts verstanden hat, kommt damit automatisch mit der PC-Software klar - oder umgekehrt. Beim Abfahren einer Route weist das Gerät per deutlich zu verstehender Sprachausgabe auf Abbiegungen hin, einmal 200 Meter vorher und einmal direkt davor. Zusätzlich kann im Display die genaue Entfernung sowie ein Balkendiagramm ersichtlich gemacht werden. Importierte Tracks (z.B. GPX) werden auf der Karte angezeigt. Gleichzeitig wird die Entfernung und Richtung der eigenen Position zum Track angezeigt. Ein automatisches Routing ist bei importierten Tracks jedoch noch nicht möglich.

Über den Menüpunkt "My Menu" können gespeicherten Favoriten, geplante Routen, Wegpunkte, Tracks und das Logbuch aufgerufen werden. Das Logbuch bietet Teilwerte der aktuellen Route sowie die Gesamtwerte des Geräts (seit dem letzten Reset). Bei einem Zurücksetzen des Trip-Computers wird automatisch eine neue, später abrufbare Archivdatei erstellt. Vor einer Mehretappentour kann man beispielsweise das Logbuch zurücksetzen und danach die Gesamtwerte der Tour abrufen. Die entsprechende Archivdatei kann entsprechend umbenannt werden.

Kartenvielfalt
Neben den kostenpflichtigen, routingfähigen MyNav-Vektor-Karten bietet MyNav die Möglichkeit kalibrierte Rasterkarten auf das Gerät zu laden. Dabei gibt es keine Größenlimits, wie man es von Garmin kennt. Für den Download und die Kalibrierung der Karten eignet sich die Software "Mobile Atlas Creator" hervorragend, die wir in Kürze ausführlich vorstellen werden. Diese Software erlaubt es, topografische Karten und Luftbilder zahlreicher Länder kostenlos herunterzuladen. In Kombination mit den MyNav-Vektorkarten bleiben somit kaum mehr Wünsche offen. Einzigartig ist die Möglichkeit, sich über die Vektorkarten routen zu lassen und dabei die detaillierteren Topokarten auf dem Bildschirm anzeigen zu lassen. Das MyNav 500 Sport bietet eine Vielzahl von Konfigurationsmöglichkeiten, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Ein Feature ist jedoch noch erwähnenswert: Bei den Vektorkarten lassen sich je nach persönlichem Geschmack alle Kartenebenen einzeln ein- oder ausblenden.

Anzeigevielfalt
In der Standard-Kartenansicht werden in den Ecken folgende Symbole angezeigt:
- REC: Ein- und Ausschalten der Track-Aufzeichnung
- N: Ausrichtung der Karte nach Norden oder in Fahrtrichtung
- 2 Pfeile: Einblenden weiterer Symbole

Zusätzlich lassen sich bis zu 5 Datenfelder am oberen und unteren Rand der Karte anzeigen.

Die zusätzlichen Symbole dienen dazu weitere Funktionen aufzurufen:
- den Tripcomputer
- die Lautstärke und Display-Einstellungen
- die POI-Suche
- die allgemeine Suche
- das Menü
- die Kartendarstellung in 2D oder 3D
- das Zentrieren der Karte auf die aktuelle Position
- ein Zoomfenster, sodass man mit dem Finger einen Zoom-Rahmen in der Karte aufziehen kann

Bei berechneter Route werden darüber hinaus ein Info-Symbol sowie ein Höhenprofil-Symbol angezeigt. Der Info-Bildschirm liefert zahlreiche Daten zur aktuellen Route inkl. Abbiegehinweisen in tabellarischer Form. Das Höhenprofil wird auf Basis eines hinterlegten Höhenmodells beim Berechnen der Route erstellt. Während der Fahrt sieht man genau an welcher Stelle des Höhenprofills man sich befindet. Klasse!

Der Trip-Computer bietet auf drei Bildschirm-Seiten, die man durch einfaches Antippen des Bildschirms wechseln kann, eine Vielzahl von Daten - unterteilt in die Rubriken Straßenwerte, Höhenwerte, GPS-Werte und Sonstige Werte. Pro Seite können zwischen 4 und 8 Datenfelder angezeigt werden. Neben dem Trip-Computer für die aktuelle Tour, können Übersichtsseiten für Rundenwerte und Gesamtwerte konfiguriert werden. Es bleiben also kaum Wünsche offen.

Bedienung
Das MyNav 500 Sport bietet eine Vielzahl an Funktionen für verschiedene Anwendungszwecke. Obwohl die Benutzerführung durch die zahlreichen Symbole etwas unübersichtlich wirkt, erschließt sich die grundsätzliche Bedienung relativ schnell. Eine Route mit mehreren Zwischenzielen direkt auf dem Touchscreen zu planen, ist aufgrund des resistiven Touchscreens mühsam. Hier ist man mit der mitgelieferten PC-Software MapManager besser bedient. Das Planen von Routen, der Import von Tracks und das Überspielen der Daten auf das Gerät ist mit dem MapManager denkbar einfach. Mal schnell ein neues Ziel zu erfassen und sich mittels Sprachnavigation hinbringen zu lassen, macht jedoch auch direkt am Gerät großen Spaß.

Fazit
Das MyNav 500 Sport hält, was es verspricht. Das automatische Routing mit Sprachausgabe ist vor allem auf dem Fahrrad sehr nützlich. Dass die automatisch berechnete Route der optimalen Wegwahl entspricht, darauf sollte man sich jedoch nicht verlassen. Es liegt also an jedem Nutzer selbst, mit der Automatik zufrieden zu sein, oder mittels Zwischenzielen aktiv in die Routenplanung einzugreifen. Die Möglichkeit neben den Vektorkarten unbegrenzt kostenlose Rasterkarten importieren zu können ist einmalig. Auch der Umfang der Betriebssoftware lässt kaum Wünsche offen. Lediglich die Anzeige von Geocaches inklusive Beschreibungen und Zusatzinformationen wird noch vermisst. Laut MyNav soll dieses Feature jedoch mit einem Firmware-Update in nicht allzu ferner Zeit nachgeliefert werden. Auch von der Hardware-Seite gibt es nichts zu bemängeln. Das MyNav 500 Sport bietet ein hervorragendes Gesamtpaket, das viele Outdoor-Sportler mehr als zufrieden stellen wird. In der Summe von Hardware, Software und Bedienbarkeit setzt sich das MyNav 500 Sport mit 138 erzielten Punkten an die Spitze der bisher vom GPS-Blogger getesteten Geräte.

Hinweis: Wer auf Trainingsauswertung mit Herzfrequenz-, Trittfrequenz- und Geschwindigkeitsmessung Wert legt, sollte sich das Schwestergerät VDO GP7 ansehen, das wir demnächst vorstellen werden. Wer auf diese Funktionen verzichten kann, der wird mit dem MyNav 500 Sport eine gute Wahl treffen, zumal dieses im Gegensatz zum VDO GP7 über einen elektronischen Kompass verfügt.

Getestet mit Firmware Version 6.2.1.0

Lieferumfang
+ PC Software MapManager
+ Kartenpaket je nach Variante
+ USB Kabel
+ Steckernetzteil
+ Hardware User Guide (gedruckt)
+ Software User Guide (auf DVD)
+ Schnellstartanleitung (gedruckt)

Preis
449 € bei Best of GPS

Wertung
Hardware: 43 Punkte
Software: 48 Punkte
Bedienung: 47 Punkte

Lesen Sie hier mehr zu unseren Testkriterien.

Gesamtwertung: 138 Punkte

MyNav 500 SPORT

5 Antworten zu Das MyNav 500 Sport im ausführlichen GPS-Blogger-Test

  1. 14.07.2010 18:00 | Matthäus

    Können auf das 500er oder dem GP7 auch Karten aus dem openmtbmaps geladen werden?

    Danke für die Info

  2. 16.07.2010 05:27 | GPS Blogger

    Grundsätzlich können auf das MyNav 500 und das VDO GP7 auch Karten von openmtbmaps geladen werden. Du musst nur eine Downloadmöglichkeit der Karten als KMZ finden. Diese sind dann schon fertig kalibriert. Schau Dir mal den Mobile Atlas Creator an. Dort sind die opencyclemaps beispielsweise bereits eingebunden.

  3. 11.08.2010 09:08 | Martina

    versuche gerade mich zwischen dem VDO GP7 und dem mynav 500 Sport zu entscheiden. Was ich nicht ganz verstehe ist der Unterschied zwischen den vom GPS gemessenen Geschwindigkeitsdaten und den Daten mit dem am Fahrrad angebrachten Sensor. Ersetzt nicht die per GPS gemessene Geschwindigkeit vollständig die Messung per Sensor am Fahrrad?

  4. 21.08.2010 07:31 | Armin

    Die Geschwindigkeitsmessung mit dem Sensor sollte etwas genauer sein, da der Radumfang bekannt ist und nur die Zeit einer Radumdrehung ausgewertet werden muss. Beim GPS wird die Geschwindigkeit aus der Distanz und der Zeit zwischen zwei oder mehreren Punkten berechnet. Da die aufgezeichneten Punkte jedoch von der Genauigkeit des GPS-Empfangs abhängig sind, können sich bei der Geschwindigkeitsmessung Fehler ergeben. Im freien Gelände ist die Geschwindigkeitsmessung also wesentlich genauer als im Wald. Die GPS-Hersteller können diese Fehler minimieren, indem sie Mittelwerte bilden, um die Geschwindigkeit zu berechnen. Mir persönlich hat die Geschwindigkeitsmessung mittels GPS immer ausgereicht.

    Wesentlicher halte ich den Unterschied, dass der MyNav 500 einen Kompass eingebaut hat (der VDO GP7 nicht). Wenn Du also auf die Geschwindigkeits-, Trittfrequenz- und Herzfrequenzmessung verzichten kannst, bis Du mit dem MyNav 500 besser bedient.

  5. 23.04.2012 08:21 | LONG-ISLAND-REAL-ESTATE

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